Korruption in Guatemala
Im Nordwesten Guatemalas gibt es ein Naturschutzgebiet, „Reserva de la Biosfera Maya“ genannt. Zum Beispiel die große präklassische Mayastadt El Mirador befindet sich in diesem Gebiet.
Wie der Nationale Rat für Naturschutzgebiete Guatemalas (Consejo Nacional de Áreas Protegidas) meldet, sind bis 2009 bereits 45 Prozent der Waldfläche dieses Schutzgebietes illegal vernichtet worden. Umweltschützer melden, dass diese Waldfläche bald total verschwinden wird, wenn diese Zerstörung durch Holzfäller, Waldbrände, Landwirtschaft, Viehzucht, illegalen Handel mit geschützten Tier- und Pflanzenarten, Grabräuber, Menschenhandel und illegalem Verkauf von Land nicht bald unterbunden wird. Zu diesem Zweck hat das guatemaltekische Ministerium für Umwelt und Natur (Ministerio de Ambiente y Recursos Naturales) von der Internationalen Entwicklungsbank (Banco Internacional de Desarollo) einen Kredit in Höhe von 30 Millionen US$ (240 millones de Quetzales) empfangen. Damit sollten Maßnahmen zum Schutz von Umwelt und archäologischem Erbe des Schutzgebietes bezahlt werden.
Wie die Zeitung “El Periódico” von Guatemala vor kurzem meldete, kauften sich der technische Direktor des Programmes für die Entwicklung des Petens für die Konservierung des Maya Biosphäre-Reservats (Programa de Desarrollo de Petén para la Conservación de la Reserva de la Biosfera Maya - PDPCRBM) des Ministerium für Umwelt und Natur, Prudencio Rodríguez, drei Luxusmodelle, und sein Exekutivdirektor, Eduardo Cofiño, zwei Luxuswagen. Insgesamt erwarben die Funktionäre dieses Ministeriums 7 Vans Typ Pathfinder für 3.3 Millionen Quetzales, 2 Sedans für je 100.000 Quetzales und 10 Pickups mit Allradantrieb Marke Nissan Frontier, für je 139.000 Quetzales. Weitere Gelder wurden für fragwürdige „Beratungen“ in Höhe von 5,7 Millionen Quetzales allein im Jahr 2009 verschwendet. Unnötige Auslandsreisen, Flugtickets, Reisespesen (die nicht oder nur teilweise abgerechnet wurden), kosteten ebenfalls viel Geld.
Zum Weltklimagipfel nach Kopenhagen im Dezember 2009 reisten über 40 Funktionäre aus Guatemala an – einem Dritte-Welt-Land, in dem drei Viertel der Bevölkerung in Armut leben –bezahlt zum großen Teil mit den Geldern, die für das Maya-Biosphäre-Reservat bestimmt waren. Jedes Flugticket dafür kostete im Schnitt 35.000 Quetzales und jeder erhielt Reisespesen in Höhe von 27.000 Quetzales.
Vor zwei Jahren war ich nach El Mirador unterwegs. Alle Nase lang kamen mir Riesenlaster entgegen, die mit je 6 gewaltigen Baumstämmen beladen waren. Das war tief im Reservatsgebiet drin. Über große Teile war der Wald total vernichtet und verbrannt.

Waldvernichtung am Usumacintafluss in Guatemala
Bei den Hunderten von Pyramidenhügeln, die ich gesehen habe, waren praktisch überall Raubgrabungen durchgeführt worden. Wenn man von Bethel am Usumacintafluss nach Flores fährt, kommt man an Kegelkarsthügeln vorbei, die bis auf die Bergspitze ratzekahl geschlagen sind. Theoretisch handelt es sich um ein Schutzgebiet, als „Selva Lacandona“ (auch in Guatemala) bekannt. Auf diesem Weg kommt man am Ort El Subin vorbei, wo guatemaltekische Funktionäre die Brücke über einen Nebenfluss des Rio Pasión bereits mehrmals feierlich eingeweiht hatten. Die Brücke war wegen Unfähigkeit/ Korruption mehrmals eingestürzt. Nun braucht man sie aber gar nicht mehr fertigzustellen, denn es gibt kein Wasser mehr. Das letzte Rinnsal von Wasser hat sich ein Drogenboss zu seiner eigenen Finca abgeleitet….
Das Wasser im Lago Petén Itzá, wo tagtäglich tonnenweise Abwässer hineinfließen, ist so verseucht, dass ein Teelöffel voll als stark gesundheitsschädlich gilt. Das natürliche und kulturelle Erbe der Maya Guatemalas wird in rasantem Tempo vernichtet. Bald wird nur noch das 24 mal 24 km im Quadrat messende Waldgebiet des Nationalparkes von Tikal übrig bleiben.
Den Allradantrieb werden die Funktionäre freilich gut gebrauchen können, denn die Gelder für die Asphaltierung von Straßen haben sie sich ebenfalls in die Tasche gesteckt, sodass bis heute eine der Haupt-Tourismus-Strecken, von Bethel bis Flores, immer noch nicht asphaltiert ist. Wenigstens wird die Strecke von Flores bis Melchor de Mencos an der Grenze von Belize bald fertig sein. Aber da steckt doch zumindest persönliches Interesse des guatemaltekischen Präsidenten Alvaro Colom dahinter, denn seine Schwiegermutter stammt aus dem genannten Grenzort.
Euer Lacambalam