Liebe Mayafreunde,
hier möchte ich noch ein paar Fotos und Beobachtungen zur Mesa Redonda nachreichen.

Zur Organisation muss man vielleicht bemerken, dass wie immer zu wenig Werbung gemacht wurde. Einige Guides beklagten, dass sie erst wenige Tage vorher zufällig von der Konferenz erfahren hatten. Das gleiche war mir ja auch passiert. Die wenigen Besucher bestätigten meine Beobachtung. Es drängt sich fast die Vermutung auf, dass man nicht zu viele Besucher haben möchte.
Die Mehrheit der Vorträge war sicherlich interessant. Einige waren aber auch dabei, bei denen man deutlich den Eindruck hatte, dass der oder die Vortragende nur sprach, um den Lebenslauf aufzufüllen, nicht weil es neue Entdeckungen zu verkünden gab. Viele Vorträge hätte man kürzer fassen können, anderen hätte man wegen des interessanten Themas mehr Zeit gewähren müssen.

Sven Gronemeyers Vortrag war der wichtigste Vortrag, denn er drehte sich um das zentrale Thema der Konferenz: Das Datum 2012 und die einzige Mayainschrift die es dazu gibt. Übersichtlich, logisch, kurzweilig, humorvoll vorgetragen hat er ein Beispiel gesetzt wie ein vorbildlicher Vortrag aussehen sollte.

Sehr gefallen hat mir auch der Vortrag von Ana García Barrios über die Sintflut und das kosmische Krokodil. Bisher hatte man nicht verstanden, warum in den Mayatexten immer mal die Rede von einem Krokodil ist, welches enthauptet wird. Inzwischen hat man hier mehr Licht in diesen Mythos bringen können. Wie es scheint, verkörpert das himmlische Krokodil eine der Urgewalten, welche vor dem Bestehen der Zivilisation wirkt. Dieses Krokodil speit Wasser aus und verursacht eine Sintflut. Die Götter oder Mayakönige besiegen aber dieses Monster und bereiten somit den Weg für die Zivilisation vor, ähnlich wie die Götlichen Zwillinge im Poopol Wuuj wirken.

Auch der Vortrag von Dimitri Beliaev über die mythische Zeit der Maya war interessant. Auf verschiedenen Keramikvasen erscheinen mythologische Szenen mit Datumsangaben, die oft keinen Sinn ergeben, weil diese Kombinationen, wie zum Beispiel 9 Ok 15 Ch´een im Mayakalender gar nicht möglich sind. In diesem Fall meinten die Maya dass man diese Zeit nicht berechnen kann, dass im mythologischen Raum andere Gesetze für die Zeit gelten.
Ein ähnliches Thema behandelte Christophe Helmke, welcher die Emblemglyphen der Mayastädte untersuchte, und zum Schluss kam, dass viele Emblemglyphen mythologische Orte bezeichnen. Viele Könige haben also versucht, ihre Dynastien mit mythologischen Orten und Ereignissen zu verbinden, um ihren Machtanspruch somit besser zu untermauern.
Bei manchen Vorträgen gab es sehr interessante Details. Zum Beispiel erwähnte Guillermo Bernal, dass man unter dem Tempel 14, neben dem Sonnentempel, fossile Korallen gefunden hat, die von den Maya im Tempelboden deponiert wurden. Das Interessante daran ist, dass der Tempel eine skulpierte Tafel enthält, die eine Tanzszene von König Chan-Bahlum darstellt, die laut Hieroglyphentext „am Rand des Meeres“ stattfindet. Die fossilen Korallen (auch fossile Haizähne) sind also als Symbol des Meeres zu mythologischen Zeiten verstanden und verwendet worden. Diese Artefakte sind derzeit im Museum von Palenque ausgestellt, in der oberen Etage.
Der Vortrag von Stanislav Ivanisewski widmete sich der Frage, wie die Mayapriester von Cobá es schafften, für das Nulldatum (also 13. August 3114 vor Christus), das Mondalter zu berechnen. Dabei musste ich mit Überraschung sehen, dass er unter anderem eine frühe Arbeit von mir zitierte, die ich mal zu Studienzeiten publiziert hatte.
Von Jesús Galindo Trejo gab es einen interessanten Vortrag über die Wandmalereien von Mayapan. Möglicherweise ist hier der Sonnengott dargestellt, ähnlich wie später bei den Azteken, wobei in der Sonnenscheibe möglicherweise eine andere Figur erscheint, die er als Venus interpretiert. Es könnte sich hier also um einen Venustransit handeln.
Dafür kämen in Frage der 30. November 1153 oder der 1. Juni 1275. Der nächste Venustransit vor der Sonne steht uns am 5. Juni 2012 bevor, nachmittags um 5. Dieses Ereignis könnte man eventuell mit bloßem Auge beobachten [Anmerkung von doneric: Als Schutz vor der grellen Sonne sollte man einen speziellen, dafür vorgesehenen Filter nutzen].
Ein super interessanter Vortrag kam natürlich auch von Ivan Sprajc, der die Ausrichtungen der Strukturen der Maya untersuchte. Die Tempeleingänge zum Beispiel zeigen nicht wahllos in irgendeine Richtung, sondern sind, wie die statistische Untersuchung eindeutig zeigt, nach bestimmten Punkten ausgerichtet, und zwar meistens so, dass die Gestirne, wie Sonne, Mond, Venus, das Jahr in bestimmte wichtige Abschnitte unterteilt.
Als letztes möchte ich noch erwähnen, dass man in Bonampak immer noch dabei ist, die berühmten Malereien zu reinigen, indem dicke Kalkversinterungen vorsichtig abgetragen werden. Dadurch sind spektakuläre Verbesserungen der Wandbilder erkennbar geworden. Auf dem Foto sieht man links die frühere Version, rechts die neue Version nach der Reinigung.
Wollen wir hoffen, dass es im Mayajahr 2012 neue spektakuläre Entdeckungen gibt, und dass am 23. Dezember 2012 die Welt nicht untergeht.
Also wünsch ich allen einen guten Rutsch ins Jahr 2012!
Euer Lacambalam
Sorry, dass der Artikel drei Tage zu lange in meinem Postfach lag. Momentan kann ich nicht immer sofort veröffentlichen. Also, Mayafreunde, auch ich wünsche euch ein an positiven Ereignissen reichhaltiges, spannendes, aber weltuntergangsfreies Jahr 2012!
Euer doneric