Mayaland-News am Tag 12.19.19.0.12 7 Eb 0 Muan

10. Januar 2012

Hallo Mayafreunde,
ich wurde gebeten, meine Vortragstermine anzugeben. Langfristig und damit verlässlich sind die Vortragstermine im Planetarium in Halle:

15.01.12 14:30 Uhr Faszination Mayaland
16:00 Uhr Die Maya als Hochkultur

12.02.12 14:30 Uhr Ein Ballspiel um Leben und Tod
16:00 Uhr Die Geheimnisse des Dresdner Codex

11.03.12 14:30 Uhr Der Sonnentempel von Palenque
16:00 Uhr Poopol Wuuj - Das geheime Buch der Maya

15.04.12 14:30 Uhr Die außergewöhnliche Mathematik der Maya
16:00 Uhr Hieroglyphen und ausgewählte Datumsinschriften

13.05.12 14:30 Uhr Legenden der Maya und Azteken zu Weltunterg.
16:00 Uhr Der geniale Mayakalender

10.06.12 14:30 Uhr Das 2012 - Zeugnis
16:00 Uhr Weltuntergangszenarien auf dem Prüfstand

Ich freue mich besonders über solche Besucher, die auch spannende Informationen für mich haben oder interessante Fragen stellen.

Euer doneric

Mayaland-News am Tag 12.19.19.0.4 12 Kan 12 Kankin

2. Januar 2012

Liebe Mayafreunde,

hier möchte ich noch ein paar Fotos und Beobachtungen zur Mesa Redonda nachreichen.

Zur Organisation muss man vielleicht bemerken, dass wie immer zu wenig Werbung gemacht wurde. Einige Guides beklagten, dass sie erst wenige Tage vorher zufällig von der Konferenz erfahren hatten. Das gleiche war mir ja auch passiert. Die wenigen Besucher bestätigten meine Beobachtung. Es drängt sich fast die Vermutung auf, dass man nicht zu viele Besucher haben möchte.

Die Mehrheit der Vorträge war sicherlich interessant. Einige waren aber auch dabei, bei denen man deutlich den Eindruck hatte, dass der oder die Vortragende nur sprach, um den Lebenslauf aufzufüllen, nicht weil es neue Entdeckungen zu verkünden gab. Viele Vorträge hätte man kürzer fassen können, anderen hätte man wegen des interessanten Themas mehr Zeit gewähren müssen.

Sven Gronemeyers Vortrag war der wichtigste Vortrag, denn er drehte sich um das zentrale Thema der Konferenz: Das Datum 2012 und die einzige Mayainschrift die es dazu gibt. Übersichtlich, logisch, kurzweilig, humorvoll vorgetragen hat er ein Beispiel gesetzt wie ein vorbildlicher Vortrag aussehen sollte.

Sehr gefallen hat mir auch der Vortrag von Ana García Barrios über die Sintflut und das kosmische Krokodil. Bisher hatte man nicht verstanden, warum in den Mayatexten immer mal die Rede von einem Krokodil ist, welches enthauptet wird. Inzwischen hat man hier mehr Licht in diesen Mythos bringen können. Wie es scheint, verkörpert das himmlische Krokodil eine der Urgewalten, welche vor dem Bestehen der Zivilisation wirkt. Dieses Krokodil speit Wasser aus und verursacht eine Sintflut. Die Götter oder Mayakönige besiegen aber dieses Monster und bereiten somit den Weg für die Zivilisation vor, ähnlich wie die Götlichen Zwillinge im Poopol Wuuj wirken.

Auch der Vortrag von Dimitri Beliaev über die mythische Zeit der Maya war interessant. Auf verschiedenen Keramikvasen erscheinen mythologische Szenen mit Datumsangaben, die oft keinen Sinn ergeben, weil diese Kombinationen, wie zum Beispiel 9 Ok 15 Ch´een im Mayakalender gar nicht möglich sind. In diesem Fall meinten die Maya dass man diese Zeit nicht berechnen kann, dass im mythologischen Raum andere Gesetze für die Zeit gelten.

Ein ähnliches Thema behandelte Christophe Helmke, welcher die Emblemglyphen der Mayastädte untersuchte, und zum Schluss kam, dass viele Emblemglyphen mythologische Orte bezeichnen. Viele Könige haben also versucht, ihre Dynastien mit mythologischen Orten und Ereignissen zu verbinden, um ihren Machtanspruch somit besser zu untermauern.

Bei manchen Vorträgen gab es sehr interessante Details. Zum Beispiel erwähnte Guillermo Bernal, dass man unter dem Tempel 14, neben dem Sonnentempel, fossile Korallen gefunden hat, die von den Maya im Tempelboden deponiert wurden. Das Interessante daran ist, dass der Tempel eine skulpierte Tafel enthält, die eine Tanzszene von König Chan-Bahlum darstellt, die laut Hieroglyphentext „am Rand des Meeres“ stattfindet. Die fossilen Korallen (auch fossile Haizähne) sind also als Symbol des Meeres zu mythologischen Zeiten verstanden und verwendet worden. Diese Artefakte sind derzeit im Museum von Palenque ausgestellt, in der oberen Etage.

Der Vortrag von Stanislav Ivanisewski widmete sich der Frage, wie die Mayapriester von Cobá es schafften, für das Nulldatum (also 13. August 3114 vor Christus), das Mondalter zu berechnen. Dabei musste ich mit Überraschung sehen, dass er unter anderem eine frühe Arbeit von mir zitierte, die ich mal zu Studienzeiten publiziert hatte.

Von Jesús Galindo Trejo gab es einen interessanten Vortrag über die Wandmalereien von Mayapan. Möglicherweise ist hier der Sonnengott dargestellt, ähnlich wie später bei den Azteken, wobei in der Sonnenscheibe möglicherweise eine andere Figur erscheint, die er als Venus interpretiert. Es könnte sich hier also um einen Venustransit handeln.

Dafür kämen in Frage der 30. November 1153 oder der 1. Juni 1275. Der nächste Venustransit vor der Sonne steht uns am 5. Juni 2012 bevor, nachmittags um 5. Dieses Ereignis könnte man eventuell mit bloßem Auge beobachten [Anmerkung von doneric: Als Schutz vor der grellen Sonne sollte man einen speziellen, dafür vorgesehenen Filter nutzen].

Ein super interessanter Vortrag kam natürlich auch von Ivan Sprajc, der die Ausrichtungen der Strukturen der Maya untersuchte. Die Tempeleingänge zum Beispiel zeigen nicht wahllos in irgendeine Richtung, sondern sind, wie die statistische Untersuchung eindeutig zeigt, nach bestimmten Punkten ausgerichtet, und zwar meistens so, dass die Gestirne, wie Sonne, Mond, Venus, das Jahr in bestimmte wichtige Abschnitte unterteilt.

Als letztes möchte ich noch erwähnen, dass man in Bonampak immer noch dabei ist, die berühmten Malereien zu reinigen, indem dicke Kalkversinterungen vorsichtig abgetragen werden. Dadurch sind spektakuläre Verbesserungen der Wandbilder erkennbar geworden. Auf dem Foto sieht man links die frühere Version, rechts die neue Version nach der Reinigung.

Wollen wir hoffen, dass es im Mayajahr 2012 neue spektakuläre Entdeckungen gibt, und dass am 23. Dezember 2012 die Welt nicht untergeht.

Also wünsch ich allen einen guten Rutsch ins Jahr 2012!

Euer Lacambalam

Sorry, dass der Artikel drei Tage zu lange in meinem Postfach lag. Momentan kann ich nicht immer sofort veröffentlichen. Also, Mayafreunde, auch ich wünsche euch ein an positiven Ereignissen reichhaltiges, spannendes, aber weltuntergangsfreies Jahr 2012!

Euer doneric

Mayaland-News am Tag 12.19.18.16.16 10 Cib 4 Mac

5. Dezember 2011

Liebe Freunde des kritischen Kinofilms,

nach einem Besuch des von mir mit Spannung erwarteten Films “HERZ DES HIMMELS, HERZ DER ERDE”, steht als erstes Fazit fest: Ich sehe mir das Werk mindestens noch einmal an, um mich auf bestimmte Details konzentrieren zu können.
Unser Freund Don Antonio erschien in einer ungewohnt traurigen Verfassung, was aber dem Gesamtkonzept des Films gut entspricht.
Eingebettet in künstlerisch sehr gut gelungene Passagen der Schöpfungsmythologie des Poopol Wuuj, stellen die sechs jungen Maya ihre Lebenssituation mit Schwerpunktsetzung auf Aspekte der Bedrohung ihrer Kultur vor. Ob Abholzung des Regenwaldes, Ausbeutung der Erde durch Ölförderung oder Goldabbau - der Leib der Mutter Erde wird in großem Stile rücksichslos verletzt. Rücksichtslos ist dabei auch das Vorgehen der Konzerne, aber auch der verantwortlichen Politiker. Die Maya sind gezwungen zu fliehen, sich und ihr Leben zu verteidigen, ihren Lebensraum zu retten. Manche kämpfen, andere resignieren.
Im Kontext des 2012-Mythos erhält das angekündigte Weltuntergangsszenario ein für mich als Gegner einschlägiger Panikmache sehr konkretes Gesicht. Ich fühle mich sehr betroffen. Der Film hat seine mahnende Wirkung bei mir nicht verfehlt. Der Hilferuf war nicht zu überhören.
Ist die Kritik in dieser Schärfe angemessen? Ich neige dazu, dies zu bejahen. Es gibt absolut tragische Schicksale. Meine Wahrnehmung des Lebens im Heimatdorf von Don Antonio ist allerdings differenzierter zu sehen. Hier sieht man, wie Jens sein Buch mit der Übersetzung (maya <-> spanisch) der Lacandonenmythologie übergibt:

Pikante Information des Kinofilms, die für Freunde der klassischen Mayakultur schmerzlich ist: Tortuguero, der Ort der einzigen 2012-Inschrift, wurde weggebaggert?! Dass die Inschrift zerschlagen und teilweise verschollen ist, war mir ja bekannt. Um so wertvoller ist die diesbezügliche Arbeit von Jens, welche ich hier auf der Webseite demnächst kurz vorstelle.

Ein großes Lob an die Beteiligten des “HERZ DES HIMMELS, HERZ DER ERDE”-Projektes!

Euer doneric.

Mayaland-News am Tag 12.19.18.16.14 8 Ix 2 Mac

3. Dezember 2011

etwas verspätete Mayanews (Ich bin selbst gerade unterwegs und komme nicht immer sofort zum Veröffentlichen. Lo siento, Euer doneric)

Jens schrieb vorgestern:

“Heute hatte ich 2 Interviews, einmal im mexikanischen Fernsehen, und auch im kanadischen Radio. Der Moderator des Fernsehens war vor allem an meinen Codexzeichnungen interessiert. Aber es kamen auch Fragen zum Mayakalender und zu den Prophezeiungen der Maya.
Der Radiointerview war ebenfalls meine Zeichnungen gewidmet (auch wenn man diese im Radio nicht sieht) sowie der Inschrift von Tortuguero.

Heute früh gab es einen sehr interessanten Vortrag von Ruud van Akkeren zum Ursprungsgebiet von Xibalba, der Unterwelt der Maya, wie sie im Poopol Wuuj beschrieben wird. Hier handelt es sich um ein Höhlensystem in der nördlichen Bergregion von Guatemala. In der Pause fragte ich ihn, wo er die mythische Stadt Tollan lokalisiert. Da es sich hier um einen Titel handelt, der “Ort des Schilfrohres” bedeutet, kommen hierfür verschiedene Kandidaten in Frage. Seiner Meinung handelt es sich um die Stadt Machaquilá. Mich überzeugt das nicht sehr, da die Einwanderung der K´ichee´-Elite erst um 1200 stattfindet. Zu dieser Zeit war die klassische Stadt Machaquilá bereits untergegangen. Ich denke nach wie vor, dass es sich hier um Chichen Itzá handelt.

Euer Lacambalam”

Ich war inzwischen im Kino zu “Herz des Himmels, Herz der Erde”. Bin gleichermaßen beeindruckt wie auch betroffen. Zweifellos ist die Botschaft ein Hilferuf. Ich berichte später mehr.

doneric

Mayaland-News am Tag 12.19.18.16.13 7 Ben 1 Mac

2. Dezember 2011

Liebe Freunde der Mayakultur,

während in Palenque die VII. Mesa Redonda andauert, gibt es zeitgleich in Berlin die Premiere zu einem exklusiven Film über die Mayakultur. Hier erfolgt nun erstmal die Empfehlung zum Film. Ich werde ihn wahrscheinlich morgen in Berlin anschauen und dann kurz darüber berichten. Von Nicole Kühner habe ich die permiso, Material hier zu verwenden. Ich gebe den Link zum Material gleich mal in Form der kurzen E-Mail weiter:

“Lieber Herr Krygier
Info- und Bildmaterial zum Film finden Sie auf unserer Presseseite:
http://www.hoehnepresse-media.de/detail.php?id=83#zumfilm
Das können Sie gerne benutzen und wir freuen uns natürlich sehr, wenn über unseren Film berichtet wird.
Viele Grüße
Nicole Kühner”

Bereits der Titel “HERZ DES HIMMEL, HERZ DER ERDE” ist eine Anspielung auf die Schöpfungsmythologie “Poopol Wuuj”. Jens, der Übersetzer desselben, wird sich freuen. Besonders gespannt bin ich, in welcher Weise das uns gut bekannte Dorf Nahá und dort insbesondere unser Freund, der Schamane Don Antonio, integriert wurden.

Ich wünsche uns allen einen fantastischen Kinogenuss und grüße von hier aus die Teilnehmer der Konferenz in Palenque. Saludos!

Hasta pronto
doneric

Mayaland-News am Tag 12.19.18.16.11 5 Chuen 19 Ceh

30. November 2011

Fantastisch! Es bleibt spannend! Jens berichtet live von der Konferenz aus Palenque:

Hallo Mayafreunde,

Gestern ging es los mit den Vorträgen der Mayaexperten. Interessant war der Vortrag von Marcello Canuto über Modelle der politischen Integration. Er hat überzeugend dargelegt, dass von Copán aus kleinere Kultzentren in der Nähe von Dörfern errichtet wurden, in denen zum Teil andere Ethnien lebten, die nicht zu den Maya gehörten. Auf diese Weise wurden diese Völker in das ökonomische und rituelle Leben der Mayaelite von Copán integriert. Erst der 13. König von Copán (18 Kaninchen) wich von diesem Modell ab, und fing an, die umliegenden Dörfer zu unterjochen. Dadurch erklärt sich, warum er plötzlich von einem ehemaligen Vasallen, dem König von Quiriguá, gefangengenommen und geopfert wird.

An dieses Thema schloss sich heute thematisch der Vortrag von Elisabeth Wagner an. Sie hat erklärt, wie man in Copán den Verlust des Königs verarbeitete. Es stellt sich heraus, dass die nachfolgenden Könige die Bauwerke des geopferten Königs nur ergänzt, aber nicht überbaut hatten, wie das sonst üblich war. Man hat also die von König 18-Kaninchen erschaffenen rituellen Strukturen offen gehalten und weiterhin für Rituale benutzt, was den Eindruck schuf, dass der Geist des Königs noch lebendig war.
Nikolai Grube hat gestern über politische Modelle gesprochen, vor allem wie sich Zentren wie Calakmul als Superzentren durchsetzten und kleinere Städte, wie Uxul kontrollierten, wobei diese kleineren Zentren wiederum noch kleinere Orte kontrollierten.

Heute früh hat sich Nikolai an meiner Rekonstruktion der Stele M6 von Tortuguero erfreut. Über diese Inschrift wird Sven Grönemeyer gleich einen Vortrag halten. Von Nikolai habe ich den Tip, dass dieses Monument 6 von Tortuguero möglicherweise eine Sarkophagplatte war. Außerdem hat er mir erzählt, dass in Dresden bald eine Konferenz zum Dresdener Codex stattfinden wird. Er hat sich über meine Zeichnung des Dresdener Codex gefreut und ein Exeplar erhalten, um es nach Dresden mitzunehmen.

Eisabeth Wagner hat von mir ein Exemplar des Poopol Wuuj erhalten, worüber sie sich gefreut hat, denn Mythologie der Maya ist eines ihrer Spezialgebiete.

Nun muss ich erst mal los, denn es geht weiter mit spannenden Vorträgen.

Hasta pronto,
Euer Lacambalam”

Zur Information - ein Vorschlag von Jens an mich, der viele 2012-Fans begeistern wird: “Hallo Mario, wir werden mal die 2012-Inschrift auf die Webseite stellen.”